Heute ist WELT-AIDS-TAG!

Die Jungen Freien Wähler München nutzen den Anlass um sich eine Woche lange mit der Thematik zu beschäftigen. In den kommenden 7 Tagen werden wir euch regelmäßig auf Facebook Ausschnitte aus einem von uns geführten Interview präsientieren.

01.12.2014 – 

Ziel ist es zu INFORMIEREN und DISKUTIEREN! Wir zählen also auf euch! Besucht unsere Facebook-Seite und kommentiert fleißig mit. Es geht um ein wirklich wichtiges Thema. Betroffene leiden nicht nur unter der Krankheit, sie erleben zudem noch immer Ausgrenzung und Diskriminierung. Das komplette Interview könnt ihr hier nachlesen:

 

 

Wie ich davon erfahren habe...

 

NILS:   Ich bin damals wegen Ausfallerscheinungen zum Arzt gegangen. Er fragte mich, ob ich mit einem HIV Test einverstanden wäre. Auch bei der Kontrollabnahme habe ich noch nichts geahnt. Nach einer Woche ging ich  ieder in die Praxis. Als ich noch im Türrahmen stand, sagte mir mein Arzt: "Ich habe eine gute Nachricht und eine Schlechte: Die Gute ist, dass ich  weiß, was Sie haben; Die Schlechte ist, Sie sind HIV positiv." Ich fragte, ob  ich bitte in das Behandlungszimmer eintreten könnte, um die Tür hinter mir schließen zu können. Ich habe alles gehört, war aber wie in Styropor gepackt. Ich habe nichts mehr realisiert. Der Arzt kritzelte mir noch eine  Kontaktnummer auf einen Zettel und entschuldigte sich dafür, dass er mir nicht weiterhelfen konnte. Als ich mir dann meine Jacke nehmen wollte, meinte die Sprechstundenhelferin noch, sie bräuchte 20 EUR für den HIV-Test. Als der Arzt das hörte, kam er heraus und sagte: "Das regeln wir schon. Der Patient hat jetzt ganz andere Probleme." Das Wartezimmer war voll und ich  direkt vor dem Tresen.

 

Die Frage nach der Schuld

 

MIKE:   Du hast halt bei einer HIV-Infektion immer die Frage nach der Schuld und auch die Moral spielt eine Rolle. Bei anderen Infektionen oder Krankheiten ist das nicht so. Wenn Du dich mit HIV ansteckst, dann wird gerne die Verantwortung abgegeben. Dabei kann und sollte sich jeder selbst schützen und nicht einem anderen die Schuld für seine Infektion geben. Da ist es dann eh schon zu spät. Das ist auch ein großes Thema in der Rechtssprechung. Die Kriminalisierung von HIV ist einzigartig. Es gibt keine andere Krankheit wie z.B. Syphilis oder Hepatitis, wo man jemanden für eine Übertragung anzeigen könnte. Das macht die Prävention auch kompliziert, weil die Verantwortung sehr oft den anderen in die Schuhe  geschoben wird, wenn es um HIV geht.

 

Diskriminierung

 

NILS:   Als ich meine ersten Tabletten holen wollte, bin ich natürlich nicht in die Apotheke neben der Praxis gegangen, in der mich vielleicht noch jemand erkennen würde, sondern ein bisschen weiter. Als ich herein kam und die Apothekerin mein Rezept las, guckte sie mich an, schaute noch mal aufs  Rezept und sagte: "Tabletten für so kranke Menschen haben wir hier  nicht." Und da standen noch andere Menschen um uns rum. Ich bin  wirklich sehr schwer mundtot zu kriegen, aber da habe ich mich umgedreht und habe ohne Worte die Apotheke verlassen.

MIKE:   Es ist aber schon alleine deswegen wichtig, sich zu diesem Thema zu äußern, da man gegen diese Diskriminierung vorgehen muss.  Oft wurde  ich von Anderen gefragt: „Arbeitest du bei deiner Beratung wirklich mit  HIV-Positiven? Das könnte ich nicht...!“

 

HIV im Beruf

 

BASTI: Also ich spreche über den Virus auf keinen Fall. Ich bin Bäcker, würde dies aber auch in keinem anderen Beruf tun. Schon allein wegen meiner Homosexualität kommen irrationale Fragen auf, die von einer  unglaublichen Unwissenheit zeugen. Wie würden die Menschen dann auf das Thema HIV reagieren? Als ich einmal einen Herpes hatte und in die Arbeit ging, hat ein Lehrling mich gefragt: Ihh, hast du AIDS, oder was? Da  musste ich schon schlucken, habe aber sofort weitergedacht, wie ich mir ja nichts anmerken lassen könnte. Das sind dann die Alltagssituationen, die  einen immer wieder erstarren lassen.

 

Beim Zahnarzt

 

BASTI: Mein Zahnarzt hat einen gesonderten Stuhl für mich. Ich darf immer nur auf diesen Zahnarztstuhl zur Behandlung. Seitdem ich ihn über meine Krankheit aufgeklärt habe, werde ich immer auf diesen Stuhl verwiesen.  Neulich als ein Lehrling mich in das "falsche" Zimmer brachte, bat der Arzt mich aufzustehen und den Raum wieder zu wechseln.

MIKE:  Ich würde meinem Zahnarzt nicht erzählen, dass ich HIV positiv bin. Das geht ihn überhaupt nichts an. Ich bin dazu nicht verpflichtet und zudem bin ich unter Therapie und demnach nicht infektiös.

 

Behandlung

 

NILS:  Man muss sich schon von der Vorstellung trennen, dass die Medikamente ein reines Zuckerschlecken sind. Es gibt einen sehr heftigen Wirkstoff, der gerne eingesetzt wird, da er sehr potent ist. Als ich den die ersten Tage nahm, bin ich auf allen Vieren erbrechend durch die Wohnung gekrochen, sodass ich dann wiederum Mittel gegen Übelkeit nehmen musste, um den Wirkstoff im Organismus zu behalten.  Man muss sich klar werden, dass die Mittel so invasiv in den Körper eingreifen, dass es zu starken Nebenwirkungen kommt. Doch jetzt habe ich Medikamente bekommen, bei denen die Nebenwirkungen stark zurückgegangen sind und ich gut zurecht komme. Die Therapie ist eine sehr individuelle Behandlung. Die Zusammenstellung wird mit den Spezialisten genau besprochen. Hier in Deutschland ist die Behandlung wirklich sehr gut.